23. Juni 2017

"Ich kenne dich jetzt schon eine Weile, aber ich glaube du bist unsicher."
Du sitzt neben mir und ich schaue doch verdutzt an. Unsicher?
"Weißt du, ich bin vieles, kompliziert und nervtötend. Ich bin wie ein Ballon der jeden Moment platzen kann. Eine Bombe die, wenn sie hochgeht ca. 90% der betroffenen Gebiete mit sich reißt. Und genauso stur und dickköpfig bin ich.
Ich bin teilweise anstrengend wie sonst was und nehmen vieles zu ernst. Ich würde mich auch nicht naiv nennen, aber ich liebe zu oft die falschen Menschen und gebe für diese zu viel auf. Und auch wenn ich es nicht gerne zugebe, ich bin ne verdammte Emanze und hab schon zu oft meinen Mund aufgerissen. Ich bin ein totaler Tollpatsch. Ich habe zu viele Komplexe und eine starke Persönlichkeit, aber unsicher? Nein, das nicht."
Du lächelst leicht.
"Du kennst dich gut. Wieso lässt du so wenig Menschen an dich heran? Du bist stark."
"Weil sie es schlichtweg einfach nicht verdient haben." 
Du nimmst meine Hand und streichst durch mein Haar und flüsterst mir ins Ohr.
"Sie würden dich alle lieben wenn du sie hinter deine Fassade blicken lassen würdest." 
Ich beiße mir auf die Lippe und versuche mich nicht in dir zu verlieren. Nicht jetzt. 

4. September 2016

Ich stehe schon wieder in einem Scherbenhaufen. In meinem Scherbenhaufen. 
Du wolltest dich noch mal unbedingt mit mir treffen und ich habe mich überreden lassen. Eigentlich sind wir uns nicht ähnlich und wir haben auch überhaupt nicht die gleichen Ansichten, doch du weißt das ich mit dir spiele. Und du spielst mit. 
Wir sitzen auf der Terrasse und jedes Mal wenn ich dich sehe bin ich wieder überrascht. Du bist so unscheinbar.
Natürlich bist du nicht hier um mich nur zu sehen und zu reden und so entsteht der erste Kuss des Abends. 
Das eine führt zum anderen und nachdem ich meine Hose wieder an habe, sitzen wir nebeneinander und schweigen erst ein mal. 
"Worüber denkst du nach?"
Ich versuche meine Gedanken zu ordnen und bin das erste mal dir gegenüber offen und ehrlich. 
"Über alles und nichts. Mein Leben ist momentan einfach.. Schwierig und ich hab das Gefühl, das ich es nicht mehr ertrage, oder ertragen will. Es kommt so viel zusammen und ich weiß einfach gar nicht mehr wo ich anfangen soll die Scherben einzusammeln."
Du nimmst meine Hand.
"Ja ich kenne das, es ist schwierig die Scherben wieder zusammen zu kleben und so zu tun als wäre nichts passiert, als gäbe es die dünnen Linien nicht. Als würde man nicht sehen, das es schon ein mal geflickt wurde."
Du bist 6 Jahre älter, aber mit Trennungen kommst du genauso schwer klar wie ich. Deine Augenringe verraten wie schwer du dich tust sie zu vergessen. 
Du lachst leise.
"Ich hab immer noch Kram von ihr in meiner Dusche stehen und letztens hatte ich keine Seife mehr zum Hände waschen, da hab ich ihr Duschgel genommen. Es roch alles nach ihr und das war das dümmste was ich je gemacht habe!" 
Ich lache laut. 
"Oh Gott das ist wirklich dumm!"
Ich sehe dir in die Augen und höre auf zu lachen. 
"Das ist unser letztes Treffen, das weißt du oder?"
Du schaust weg.
"Ja ich weiß."
Ich nehme dich in den Arm und küsse dich das letzte mal. 
Ich schaue dir nach wie du gehst und denke daran das wir uns letztendlich gut ergänzt haben. 
Wir haben beide einen Lückenfüller gebraucht, der uns nicht verurteilt hat, wenn man nicht in denjenigen verliebt war. 

26. August 2016

Ich sitze im Auto und muss erst mal ein und aus atmen.
Denn das Atmen fällt mir immer noch schwer ohne dich. 
Es ist komisch wie lebendig ein Mensch sein kann, wenn er doch für einen gestorben ist. Du existierst nicht mehr für mich und doch bist du überall. 
Du geisterst immer noch ab und zu in meinem Kopf herum. 
Das du dich vor ein paar Tagen bei mir gemeldet hast macht das ganze nicht besser, doch ich mache sofort dicht.
Natürlich hab ich hundert mal darüber nachgedacht dir zu antworten und wohin das ganze führen könnte. 
Doch wenn ich ehrlich zu mir selber bin, dann würde das ganze zu gar nichts mehr führen. 
Ich weiß das ich dir niemals wieder vertrauen könnte und ich will nicht mehr das du der Mittelpunkt meiner Welt bist. Diese Rolle hast du lange genug ausgenutzt und ich bin nicht mehr bereit Kompromisse einzugehen. 
Ich bin mir mittlerweile auch gar nicht mehr sicher, ob du mir fehlst. Vielleicht ist es nur das Gefühl das ich vermisse.
Ich kann dich nicht mehr leiden, kein Stück. Du bist für mich gestorben, aber ich hoffe das ich irgendwann ein mal, wenn ich deinen Namen höre, Lächeln muss, denn dann hab ich mit dir abgeschlossen. 
Dann bin ich frei von dir.