4. September 2016

Ich stehe schon wieder in einem Scherbenhaufen. In meinem Scherbenhaufen. 
Du wolltest dich noch mal unbedingt mit mir treffen und ich habe mich überreden lassen. Eigentlich sind wir uns nicht ähnlich und wir haben auch überhaupt nicht die gleichen Ansichten, doch du weißt das ich mit dir spiele. Und du spielst mit. 
Wir sitzen auf der Terrasse und jedes Mal wenn ich dich sehe bin ich wieder überrascht. Du bist so unscheinbar.
Natürlich bist du nicht hier um mich nur zu sehen und zu reden und so entsteht der erste Kuss des Abends. 
Das eine führt zum anderen und nachdem ich meine Hose wieder an habe, sitzen wir nebeneinander und schweigen erst ein mal. 
"Worüber denkst du nach?"
Ich versuche meine Gedanken zu ordnen und bin das erste mal dir gegenüber offen und ehrlich. 
"Über alles und nichts. Mein Leben ist momentan einfach.. Schwierig und ich hab das Gefühl, das ich es nicht mehr ertrage, oder ertragen will. Es kommt so viel zusammen und ich weiß einfach gar nicht mehr wo ich anfangen soll die Scherben einzusammeln."
Du nimmst meine Hand.
"Ja ich kenne das, es ist schwierig die Scherben wieder zusammen zu kleben und so zu tun als wäre nichts passiert, als gäbe es die dünnen Linien nicht. Als würde man nicht sehen, das es schon ein mal geflickt wurde."
Du bist 6 Jahre älter, aber mit Trennungen kommst du genauso schwer klar wie ich. Deine Augenringe verraten wie schwer du dich tust sie zu vergessen. 
Du lachst leise.
"Ich hab immer noch Kram von ihr in meiner Dusche stehen und letztens hatte ich keine Seife mehr zum Hände waschen, da hab ich ihr Duschgel genommen. Es roch alles nach ihr und das war das dümmste was ich je gemacht habe!" 
Ich lache laut. 
"Oh Gott das ist wirklich dumm!"
Ich sehe dir in die Augen und höre auf zu lachen. 
"Das ist unser letztes Treffen, das weißt du oder?"
Du schaust weg.
"Ja ich weiß."
Ich nehme dich in den Arm und küsse dich das letzte mal. 
Ich schaue dir nach wie du gehst und denke daran das wir uns letztendlich gut ergänzt haben. 
Wir haben beide einen Lückenfüller gebraucht, der uns nicht verurteilt hat, wenn man nicht in denjenigen verliebt war. 

Kommentare:

  1. Ich hab keine Worte, um dir irgendwie Trost zu spenden, aber du sollst wissen dass ich jeden deiner Texte gerne lese und jedes Mal mitfühle und dass dieser hier mir richtig Gänsehaut bereitet hat und ich ihn wirklich, wirklich gut finde. Ich hoffe, bei dir renkt sich alles irgendwie bald wieder ein, auch wenn ich keinen Rat weiß, wie sich das am besten anstellen lässt.

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  2. Danke... jedes dieser Worte bedeutet mir wirklich viel. Danke.

    Und... noch mehr danke. Es erstaunt und erfreut mich gleichermaßen ... dass jemand interessiert daran ist, meinen Blog zu lesen.
    Du bist so stark, du wirst das schaffen.

    Wie ging es dir danach? Ich hoffe sehr, dass nicht der Scherbenhaufen darauf die Antwort ist.

    Pass auf dich auf.

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  3. Tausend Dank für deinen Kommentar, Lulu. Und auch Danke fürs Folgen.

    Ich war immer so stark - ich kenne diese Schwäche von mir selbst gar nicht. Aber es ist viel einfacher, sich von der Einsamkeit einnehmen zu lassen, als dagegen anzukämpfen. Und ich bin es sowieso leid, zu kämpfen.

    Also.. stehe ich gerne mit dir zusammen im Scherbenhaufen.

    Nochmals Danke, Lulu. ♥

    Finchen

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  4. Ich glaube, ich kann verstehen was du damit meinst und ich finde es schön, dass du sie aufgeschrieben hast, weil es mir wie dir geht. Schmerzende Worte oder Gedanken müssen manchmal einfach aufgeschrieben werden, damit man sie verarbeiten kann.

    Nein, das liegt schon eine lange Zeit zurück. Aber trotzdem lieben Dank für deine Worte. Es ist sowieso etwas, das in meiner Vergangenheit liegt und ich sollte es einfach dort lassen.

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